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Projekte

Barbara Große berichtet über das Leben in der DDR

GroßeWie schon in den letzten Jahren konnte auch in diesem Schuljahr wieder eine bekannte Zeitzeugin gewonnen werden, die vor den SchülerInnen der Jahrgangsstufe 13 und vor Schüler­Innen der 10. Klassen über ihr Leben in der ehemaligen DDR berichtete. Barbara Große, die aus Mainz angereist war, lebte in Leipzig und arbei­tete als Tontechnikerin für den Rund­funk. Da sie mit dem System der DDR nicht einverstan­den war, stellte sie immer wieder Ausreise­anträge, wandte sich dazu an die Ständige Vertre­tung der Bundes­republik in Ostberlin und an die bundes­republikanische Botschaft in der Tschechos­lowa­kei. Dies brachte ihr Untersuchungs­haft und Haft im ge­fürchteten Frauen­gefängnis Hohen­eck ein, bis sie und ihre Familie von der Bundesrepublik freigekauft wurden.

Eindrucksvoll schilderte Frau Große vor den über 150 SchülerInnen die Schikanen durch das DDR-Regime, welche Nachteile man erfuhr, wenn man z. B. nicht an den Veranstaltungen der FDJ teilnahm oder wenn man seinen christlichen Glauben praktizierte. Die Darstellung der unmenschlichen Haftbedingungen in der Untersuchungshaft und in Hoheneck beeindruckten die ZuhörerInnen sehr. Sogar nach dem Freikauf und während des Lebens in der Bundesrepublik wurde Frau Große noch von der Stasi bespitzelt, sodass sie noch heute nicht ganz frei von Befürchtungen ist. Sehr anschaulich machte sie aber auch deutlich, dass man durch mutiges und forsches Auftreten und raffiniertes Vorgehen sich auch kleinere Freiheiten erkämpfen und den Stasi-Spitzeln ein Schnippchen schlagen konnte.

Diese „Geschichte aus erster Hand“ wurde allgemein von den SchülerInnen als eine sehr gute Ergänzung und Bereicherung des Geschichtsunterrichts empfunden, da ein Schulbuch nicht die emotionale Betroffenheit vermitteln kann, wie das einem Zeitzeugen möglich ist. Deshalb vergingen die 90 Minuten auch wie im Flug.

 

“Geschichte in Liedern” mit Stephan Höning in der Schulbibliothek des Wiedtal-Gymnasiums

Stephan Höning

Geschichte einmal anders erlebten die SchülerInnen der Jahrgangsstufe 12 am 5. März 2015. Der aus Alzey angereiste Lehrer, Sänger und Musiker Stephan Höning nahm die SchülerInnen mit auf eine Zeitreise durch das lange 19. Jahrhundert „zwischen Michel und Germania“. Dabei kamen Plakate und Präsentationen ebenso zum Einsatz wie Gesang, der durch Harfe, Gitarre und Ukulele unterstützt wurde.

Stephan Höning trug dabei aber nicht nur die Lieder vor, sondern ordnete sie durch Erklärungen auch in den historischen Kontext ein. Zu hören waren Lieder aus dem Vormärz, dem Kaiserreich, sowie aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Aber auch die Geschichte des Kirchenlieds „Nun danket alle Gott“, die sich von der Reformation bis zur Rückkehr der letzten Kriegsgefangenen im Jahr 1955 zieht, war zu hören. Ergänzt wurde der Vortrag durch ergänzende Erläuterungen zur Entstehung und Verwendung, aber auch zum Missbrauch der Lieder. Insofern war das Konzert eine sehr anschauliche und lebendige Ergänzung des Geschichtsunterrichts, die Geschichte einmal aus anderer Perspektive und in anderen Medien zeigte, als sie normalerweise vermittelt wird. Das wurde auch von den SchülerInnen so empfunden, wie die durchweg positiven Reaktionen und Rückmeldungen zeigten.

www.Geschichte-in-Liedern.de

Die bekannte Journalistin und Autorin Ellen Thiemann in der Bibliothek des Wiedtal-Gymnasiums

DSC_0384Wie schon im letzten Schuljahr konnte auch in diesem Jahr wieder die bekannte Journa­listin und Autorin Ellen Thie­mann für ein Zeitzeugen­gespräch mit den Schülerin­nen und Schülern der Jahr­gangsstufe 13 gewonnen werden. Am 11. Februar berichtete sie in ein­­drucks­­vollen Schilde­rungen von der geplanten und gescheiterten Flucht aus der DDR im Jahre 1972 und von ihrer Zeit im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen und im Frauengefängnis Hoheneck.

Die geplante Flucht mit ihrem Sohn war – wie sich später nach Einsicht ihrer Stasi-Akten herausstellen sollte – von ihrem Mann, einem bekannten Sportjournalisten, ver­ra­­­­­ten worden. Wegen Republikflucht wurde sie zu drei Ja­h­­­ren und fünf Monaten Haft verurteilt. 1975 wurde sie mit Hilfe des Anwalts Wolfgang Vogel freigekauft und mit ihrem Sohn zusammen konnte sie die DDR verlassen. Seitdem lebt sie als Journalistin und Autorin in der Bundesrepublik und widmet sich noch heute der Aufklärung von Stasi-Verbrechen und muss noch heute unter Nachstellungen und Bedrohungen leiden. Nichtsdestotrotz bemüht sie sich weiterhin als Zeitzeugin bei Film, Fernsehen und in Schulen um Bekanntmachung des von der Stasi begangenen Unrechts.

Durch ihre drastischen und anschaulichen Schilderungen von dem Fluchtversuch und von den Haftbedingungen und Folterungen in Hoheneck konnte Frau Thiemann die an­gehenden Abiturienten fesseln, sodass die neunzig Minuten wie im Flug vergingen und kaum noch Zeit für Fragen blieb. Die SchülerInnen empfanden diese ganz besondere Geschichtsstunde als eine äußerste bereichernde Ergänzung des Geschichtsunterrichts, wobei sie Informationen aus erster Hand von einer Zeitzeugin erhielten, die so in keinem Geschichtsbuch zu finden sind.

Die folgenden Bücher von Ellen Thiemann sind im Herbig-Verlag erschienen:

  1. Stell dich mit den Schergen gut! (1990)
  2. Der Feind an meiner Seite (2005)
  3. Wo sind die Toten von Hoheneck? (2013)